Kino ist wieder angesagt

Es lebe das Kino! Endlich haben die Lichtspielhäuser wieder Hochkonjunktur, nachdem die Menschen (der Industrieländer) über Jahre das gemütlich DVD-Gucken zu Hause vorgezogen haben. Im Jahr 2010 konnten die Filmtheater aber endlich wieder mehr Zuschauer davon überzeugen, das der Filmgenuss auf der großen Leinwand doch ein ganz anderes Erlebnis ist.

 

Die vergangenen acht Jahre wurde das Kino immer wieder totgesagt, und der Rückgang der Einnahmen und der Vormarsch der DVD's lieferten gute Argumente dafür. 2010 ist jedoch das erste Jahr, in dem die Kinos den Konkurrenten in den USA und Europa wieder den Rang ablaufen. Und das ist auch gut so.

Zu Hause ist es doch am schönsten

Vielleicht gibt es sogar zwei Gattungen von Menschen: Solche, für die der Filmgenuss im flauschigen Dunkel des Kinosaals einfach nicht zu überbieten ist. Und solche, die überhaupt nicht verstehen, was daran so toll sein soll. Hat man doch zu Hause den vollen Kühlschrank, kann den Film für die Toilettenpause unterbrechen, sich ausgiebig unterhalten und wird vor allem nicht von unbequemen Sesseln und störenden Nachbarn geplagt. Außerdem bekommt man durch die massenhafte Produktion der gepressten Scheiben auch sehr günstige Filme.

Genau das wollten die Cineasten aber nicht. Für sie ist der Film ein Ereignis, das gewürdigt werden sollte. Der Film ist schließlich auch immer ein Kunstwerk, und mit Unterhaltungen, Unterbrechungen und Wiederholungen von Szenen vergewaltigt man die Eigenständigkeit des Werkes und zeigt nicht den nötigen Respekt. Der Gemütlichkeits-Faktor, auf den die DVD-Fans hinweisen, ist für die Kinogänger Gammelei.

Der Kinobesuch ist ein Ereignis

Aber vielleicht sollte man die beiden Formen des Filmguckens gar nicht in unmittelbare Konkurrenz setzen. Zwar gibt es natürlich Zeitgenossen, die finden die Lichtspielhäuser einfach überflüssig. Die Stubenhocker sind jedoch zum Glück nicht mehr in der Überzahl. Denn bei dem Erlebnis im Kino geht es ja nicht nur ausschließlich darum, den Film zu gucken. Es geht auch ganz wesentlich um das wie. Man sinkt in die (leider nicht immer) komfortablen Sessel, und die Dunkelheit des plüschigen Raumes umfängt einen. So genießt man das Filmwerk einerseits ganz intim und subjektiv, gleichzeitig aber auch mit vielen anderen zusammen. Und wenn das Licht wieder angeht, taucht man auch aus einer anderen Welt wieder auf. Zu Hause mit klingelndem Telefon, Toiletten- und Kühlschrankpausen kommt diese Atmosphäre so nicht auf.

Manchmal ist neu eben nur neu, und nicht besser

Dass viele Zuschauer dieses Jahr das Kino wieder entdeckt haben, liegt natürlich auch an Blockbustern wie Avatar, Ice Age und Harry Potter. Vielleicht ist es aber auch ein bisschen wie es immer bei der (vermeintlichen) Verdrängung eines Mediums durch ein anderes ist. Nach der anfänglichen Begeisterung für das Neue, merkt man nach einer Weile, dass das Alte doch eine andere Qualität, einen anderen Charme hatte. Auch wenn es meist nicht unbedingt praktischer war. Das war und ist beispielsweise auch so bei dem Verhältnis von Schreibwaren-Artikel und Schreibmaschinen, Platten und CDs, Büchern und Tablet-Computern.